Blättern war gestern

von Silvia Schulte
0 Kommentare
www.pexels.com/Andrea Piacquadio

www.pexels.com/Andrea Piacquadio

Zukunftsmusik? Durchaus nicht. Längst können Sprachassistenten Bildschirminhalte oder Dokumente vorlesen und Navigationsbefehle ausführen. Dass die Ergebnisse nicht immer überzeugen, liegt an der fehlenden Vorbereitung des Dokuments. Der Knackpunkt: visuell übermittelte Informationen gehen im gelesenen Text verloren und müssen auf andere Weise kenntlich gemacht werden.

Screenreader tasten sich Wort für Wort durch einen Text. Absätze, Überschriften, Zitate, Bildtexte, Tabellen – alles hat für sie die gleiche Wertigkeit und wird im gleichen Tempo von oben nach unten, von links nach rechts erfasst und vorgelesen. Ist die voreingestellte Sprache Deutsch, werden auch fremdsprachige Begriffe wie Browser oder Know-how entsprechend den deutschen Ausspracheregeln artikuliert. Das sorgt zwar für Heiterkeit, verbessert aber nicht unbedingt das Textverstehen.

Um diese Probleme zu beseitigen, muss man in das Thema Barrierefreiheit eintauchen. Sowohl für Webseiten als auch Dokumente gilt: Machen Sie sich schon bei der Erstellung der Dokumente Gedanken über die Reihenfolge der verwendeten Elemente. Ordnen Sie alle Informationen in einer logischen Lesereihenfolge an. Ergänzen Sie nicht-lesbare Informationen, z.B. Grafiken, Logos etc., mit einem beschreibenden Alternativtext.

Damit Assistenztechnologien funktionieren können, müssen Dokumente mit Tags versehen sein. Erst durch Tags entsteht eine logische Struktur, die eine Navigation möglich macht. Ein sogenanntes „tagged PDF“ lässt sich aus Anwendungen wie Word oder InDesign generieren. Das nachträgliche Einfügen von Tags ist ebenfalls möglich, z.B. in Acrobat Pro. Ergänzt wird die Dokumentenstruktur durch Lesezeichen.

Informationen zum Dokument müssen als Metadaten abgelegt sein. Nur wenn die Informationen zum Dokument einen Titel enthalten, können Assistenzsysteme darauf zugreifen. Für die korrekte Aussprache muss eine Dokumentensprache angegeben sein. Anderssprachige Sätze oder Wörter müssen in der jeweiligen Sprache gekennzeichnet werden.

Hat man alles berücksichtigt, fehlt nur noch die Probe auf’s Exempel. Office-Bordmittel, Adobe-Tools oder der kostenlose PDF Accessibility Checker nehmen das Ergebnis unter die Lupe und listen die Schwachstellen in puncto Barrierefreiheit auf. Ein einfacher Vorlesetest hilft auch schon. In Browsern wie Microsoft Edge ist die Vorlesefunktion bereits eingebaut.

Dass sich Nutzer gut vorstellen können, in Anleitungen per Sprachsteuerung zu navigieren und die Inhalte vorgelesen zu bekommen, zeigte auch eine Umfrage der Dokuhelden. Alle Teilnehmer*innen sprachen sich dafür aus.

Jetzt teilen: